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AUSMISTEN: AUS ALT WIRD GUT GEMACHT

Was machen mit Sachen, die man nicht mehr braucht, aber nicht wegschmeißen möchte? FAIR WOHNEN weiß, wie man für den guten Zweck ausmistet.
 

  • © Mauritius
Es ist keine große Neuigkeit, dass wir in Mitteleuropa in einer Konsum- und Überflussgesellschaft leben. Das wird wohl jedem Einzelnen bewusst, wenn er ab und an versucht, Platz für Neues zu schaffen. In puncto Kleidung besagt etwa eine Faustregel: was man ein Jahr nicht getragen hat, kann – und soll – raus aus dem Schrank. Nur wohin damit? 

Zu viele Altkleider für Österreich
Die erste Assoziation vieler ist vermutlich der klassische Alkleidersammelcontainer, der sich – aufgestellt von unterschiedlichen Organisationen – über die ganze Stadt verteilt findet. Allein die 
Caritas betreibt im Raum Wien und Umgebung circa 240 Kleidercontainer, gut 50 davon werden von den Wiener Carlas selbst entleert und verwertet, den Rest betreut eine Fremdfirma. An dieser Stelle tauchen bei einigen vielleicht Assoziationen wie „das wird doch alles gewinnbringend nach Osteuropa verkauft“ auf. Das ist teilweise durchaus richtig – und das ist auch gut so, denn Fakt ist: Die Kleidermengen in Österreich übersteigen den Bedarf im Inland bei Weitem! Nur die Caritas kommt schon auf circa 800 Tonnen im Jahr – 200 davon werden in den Shops verkauft und 27 Tonnen wandern in die Gratiskleiderausgaben in Wien und Wiener Neustadt. 75 Tonnen gehen an Hilfsorganisationen im Osten, der Rest wird an Großhändler verkauft bzw. muss teils sogar kostenpflichtig entsorgt werden. Die Erlöse aus dem Verkauf fließen zurück nach Österreich und kommen sozialen Projekten der Caritas zugute und damit unter anderem langzeitarbeitslosen Männern und Frauen. Alleine das Beispiel der Caritas und der Sammelcontainer zeigt die Krux an der Sache mit den Sachspenden: Es gibt einfach viel zu viel und das Zuviel leider auch oft noch in einem erbärmlich schlechten Zustand. 

Beschränkte Lagerkapazitäten
FAIR WOHNEN hat sich bei zahlreichen größeren und kleineren Hilfseinrichtungen umgehört und musste feststellen: Das mit dem sinnvollen Ausmis­ten für den guten Zweck ist gar nicht so einfach, wie man vielleicht annehmen würde. Iraides Franz vom „Fonds Soziales Wien“ erklärt, warum: „Die Lagerkapazitäten sind meistens beschränkt und Auflagen – zum Beispiel feuerpolizeiliche – machen die Lagerung für kleinere Einrichtungen schwer bis unmöglich.“ Auch die personellen Ressourcen für Sammlung, Sortierung, Lagerung und Verteilung sind nicht immer gegeben, wie es etwa von „Nein zu Arm und Krank“ heißt. Es verwundert daher nicht, dass meist sehr spezielle Dinge – und nur die – gesucht werden. Im Falle von „Nein zu Arm und Krank“ etwa ein Notebook für einen Informatik-Studenten mit Autismus und einen Kühlschrank für eine psychisch erkrankte alleinerziehende Mutter – zur Aufbewahrung des Insulins für ihre Kinder, die an Diabetes leiden.

Wintersachen für Flüchtlinge 
Ein anderes, weil spezielles und akutes Thema, ist das der Flüchtlinge in unserem Land. Einem UNHCR-Bericht zufolge liegt Österreich bei der Aufnahme von Asylsuchenden aus Syrien im europäischen Mittelfeld. Menschen aus dem Irak betreffend, liegen aktuell noch kaum schlüssige Zahlen vor. Einige Hundert Flüchtlinge kamen im Frühherbst unter großem Aufsehen und auch Anteilnahme der Öffentlichkeit in Wien-Erdberg unter. Eine Erstaufnahmestelle, für die das Innenministerium zuständig ist. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigt einzeln verbreitete Meldungen, dass man Kleider- und andere Sachspenden gerne beim Portier in der Erdbergstraße 186 abgeben könne. Auf die Nachfrage, ob denn nur Spezielles gebraucht werde, heißt es, man müsse so oder so aussortieren. Die Volkshilfe wird beim Thema Flüchtlinge konkreter: Benötigt werden warme Winterbekleidung, Schuhe und Spielsachen für Kinder. Abgeben kann man diese wochentags von 8 bis 12 Uhr in den Sammelstellen der Volkshilfe Wien. Die Caritas betreibt eigene Häuser und freut sich über Bettwäsche, Handtücher, Windeln, Hygieneartikel, Schulsachen und Fahrscheine. Offensichtlich: keine gebrauchten Gegenstände sondern „First Hand“-Sachspenden. 

Müll bleibt Müll
Wer sein Glück versuchen möchte, um im Idealfall damit auch anderen ein Glücksgefühl zu verschaffen, kann gut erhaltene Kleidung (keine Kindersachen) dem Verein LOK Couture spenden, die Waren werden nach Absprache sogar abgeholt. Bei „wieder wohnen“, eine Einrichtung für Wohnungslose, hat man Bedarf an Geschirr. Zwei weitere Möglichkeiten: die Abgabe von Flohmarktware bei den 19 städtischen Mistplätzen und das Vorbeibringen des Hab und Guts in einem Kostnix-Laden. Spielsachen und Kinderwaren kommen in ersterem Falle karitativen Zwecken zugute, alle anderen funktionstüchtigen Gegenstände werden am 48er-Basar wieder unter die Leute gebracht. Am Fall des Kostnix-Laden im 5. Wiener Gemeindebezirk wird deutlich, was für einige Menschen anscheinend leider nicht selbstverständlich ist. Bei Sachspenden geht es ausnahmslos um saubere Kleidung bzw. einwandfrei erhaltene Dinge und nicht um Fetzen, Ramsch und Schrott. Auch den Kommentar „die Stereoanlage funktioniert eh noch, der CD-Player nimmt nur einige CDs nicht“, hört man nicht gerne. Als Faustregel gelte: Nur Sachen bringen, bei denen man sich nicht genieren würde, sie im Freundeskreis weiterzugeben! Diese Faustregel hört man von jeder Einrichtung, auch wenn sie selten so klar formuliert wird wie vonseiten des Kostnix-Ladens. 

Bring ein Buch, nimm ein Buch
Wobei: Auch Frank Gassner, der Kopf hinter den offenen Bücherschränken (Abgabe bzw. Mitnahme von Büchern) und dem „Brauchbar“-Regal im 7. Bezirk, berichtet, dass die Ecke „gelegentlich zum Abladen von Sperrmüll missbraucht wird“. Frank Gassners Bücherschränke sind ein Paradebeispiel für private Initiativen, wie es sie in Wien zuhauf gibt, man muss nur das für 
einen passende Angebot finden. Am Kutschkermarkt und in der Kleistgasse finden sich etwa sogenannte Büchertaschen, die in die selbe Kerbe wie Gassners Bücherschränke schlagen. Im 20. Bezirk (Allerheiligenplatz, Büro der Gebietsbetreuung) heißt es ebenfalls: „Bring ein Buch, nimm ein Buch.“ Wer eine Prise Spannung braucht, kann „Bookcrossing“ ausprobieren. Dabei wird ein Buch registriert, in der „Wildbahn ausgesetzt“ und hoffentlich von einem neuen Besitzer gefunden. Das mit dem „guten Zweck“ ist hierbei natürlich aber schon etwas weiter gefasst. Wem all diese Möglichkeiten zu unsicher oder vage sind, der kann seine Habseligkeiten auch einfach online auf Plattformen wie Kleiderkreisel (ab Ende November gebührenpflichtig), Willhaben und Kleiderkorb verkaufen oder per Flohmarkt-App (z. B. Shpock) zu Geld machen – und diese Summe selbstverständlich den professionellen Institutionen spenden.


INFOS
neinzuarmundkrank.at 
Wer Notebook oder Kühlschrank 
spenden möchten, meldet sich bei 
Frau Mag. Satrapa

offener-buecherschrank.at 
Standorte der Bücherschränke und der „Brauchbar“

caritas-wien.at
Standorte der Sammelcontainer; neue Carla-Shops: Alte Ankerbrotfabrik (1100 Wien) und AKH Wien (voraussichtlich bis Ende Dezember 2014)

gbstern.at 
Wo gibt’s Lesestoff zur freien Entnahme?

www.arge-wien.at
Wer einfach nur entrümpeln muss: Die ARGE Wien übernimmt diese Aufträge und beschäftigt Langzeitarbeitslose

facebook.com
Dinge verschenken: Auf Facebook gibt es lokale „Share & Care“-Gruppen 

lokcouture.at
volkshilfe-wien.at
kostnixladen.at
wiederwohnen.at
 
Foto: Mauritius