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DIE STIMME DER KUNST

Kulturminister Thomas Drozda erklärt Georg Niedermühlbichler sein besonderes Anliegen im Kunstbereich.

  • (c) Max Stohanzl
Du bist als Kanzleramts­minister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien zuständig. Was genau gehört alles zu deinen Aufgabenbereichen?
Neben Kunst und Kultur, Verfassung und Medien bin ich auch für die Koordinierung der Regierungsarbeit und damit auch für die Vorbereitung der wöchentlichen Regierungssitzungen zuständig.

Liegt dir einer dieser Bereiche besonders?
Aufgrund meiner bisherigen beruflichen Tätigkeiten liegt mir die Kunst und Kultur in diesem Land besonders am Herzen. Dabei ist mir der intensive Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern wichtig. Mich interessiert vor allem auch, was Kunst- und Kulturschaffende abseits ihrer Kunst zu sagen haben. Deshalb habe ich eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „open space“ ins Leben gerufen ­– das Ministerium dient somit als Diskussionsplattform für Künstlerinnen und Künstler.

Es gibt Stimmen, die sagen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könne man Kunst eher vernachlässigen. Wie siehst du das?
Ganz im Gegenteil: In gesellschaftlich herausfordernden Zeiten ist die Stimme der Kunst besonders wichtig. Es sind sehr oft Künstler, die auf gesellschaftspolitisch relevante Themen hinweisen. Wenn sie wollen, dann sind Kunstschaffende oft auch Indikatoren, die gesellschaftliche Herausforderungen identifizieren und gleichzeitig differenzierte, nichtkonventionelle Lösungsansätze ausarbeiten und anbieten.

Kunst und Kultur gehören schon seit Langem zu deinem beruflichen Alltag. Wie wichtig sind dir diese Themen in deinem Privatleben?
Auch in meiner Freizeit – die neben meiner Arbeit geringer ist als früher – gehe ich gerne ins Theater und besuche Ausstellungen. Ins Kino bin ich schon als Jugendlicher gerne gegangen, das kommt leider im Moment viel zu kurz. Kunst und Kultur ist nicht nur eine meiner Aufgaben als Minister, sondern ein essenzieller Teil meines Lebens.

Hast du Kunstwerke in deiner Wohnung?
Bei mir hängen die ersten Werke von Scheibl, die ich in Ratenzahlungen erworben habe. Auch welche von Brandl und Wölzl. Und ich habe einige Foto­grafie-Arbeiten von Kandl und Paul Albert Leitner sowie Arbeiten von einer ganzen Reihe junger Künstlerinnen und Künstler.

Wo und wie wohnst du?
Ich hatte großes Glück, vor nunmehr zehn Jahren ein kleines und vom Gefälle her steiles Grundstück erwerben zu können, das damals als unbebaubar galt. Mit Hilfe von jungen Architekten ist es aber gelungen, die Planung so zu gestalten, dass ein Einfamilienhaus darauf Platz gefunden hat.

Beim Übersiedeln lief alles glatt?
Übersiedlungen sind in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Aber das wirklich Seltsame ist, dass Dinge, die man vor einem Jahrzehnt schon weggeräumt und nie wieder verwendet hat, im Umzugskarton landen und man dann im neuen Heim einen Platz sucht, wo man sie verstauen kann.


BIOGRAPHIE
Thomas Drozda, Jahrgang 1965, studierte Betriebs- und Volkswirtschaft an der Universität in Linz. Nach seinem Studium war er als Geschäftsführer beim „Trotzdem-Verlag” der Sozialistischen Jugend in Wien tätig, kurz darauf arbeitete er in der Österreichischen Nationalbank in der Abteilung für volkswirtschaftliche Studien. 1993 wechselte Drozda als wirtschaftspolitischer Berater ins Kabinett von Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky, wobei er für die Bereiche Budget, Finanzen, Soziales, Jugend und Familie und ab 1996 auch für den Bereich Kunst und Kultur verantwortlich zeichnete. Von 1997 bis 1998 setzte er seine berufliche Laufbahn als wirtschafts- und kulturpolitischer Berater von Bundeskanzler Mag. Viktor Klima fort. Von 1998 bis 2008 war Drozda als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters tätig, von 2007 bis 2014 zudem ORF-Stiftungsrat. 2008 wechselte er als geschäftsführender Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien. Seit Mai 2016 ist Drozda Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien.


Foto: Max Stohanzl